Emil-Böhme-Preis
Mit dem Emil-Böhme-Preis ehrt die SGK Thüringen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, die sich über viele Jahre in der Kommunalpolitik verdient gemacht haben. Verliehen wird er auf der Mitgliederversammlung. Erstmals wurde er am 13. April 2013 in Gotha überreicht.
Der Preis trägt bewusst nicht den Namen eines Ministerpräsidenten. Emil Böhme war Porzellanmaler, Gewerkschafter und Kommunalpolitiker — und einer der ersten Sozialdemokraten, die in Thüringen Verantwortung in einer Kreisverwaltung übernahmen.
Der Namensgeber
Vom Porzellanmaler zum Landrat
Emil Böhme, geboren am 27. Juli 1873 in Eisenberg, war das vierte Kind eines Porzellanarbeiters. Nach der Volksschule lernte er selbst Porzellanmaler. Sein Geld verdiente er später auch als Zigarrenfabrikant, als Verkäufer sozialistischer Schriften und als Caféinhaber.
- 1899 — Stadtverordneter in Eisenberg; an der Gründung der SPD vor Ort war er maßgeblich beteiligt
- um 1900 — mit 27 Jahren Vorsitzender des sozialdemokratischen Vereins für Eisenberg und Umgebung; viele Jahre führte er den Arbeiter-Bildungsverein
- 1907 — Abgeordneter im Landesparlament des Herzogtums Sachsen-Altenburg
- 1918/19 — Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats in Eisenberg
- 1919 — Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Eisenberg und stimmführendes Mitglied der Landesregierung; als Staatsrat leitete er die Wirtschaftsabteilung des Staatsministeriums
- 1922 — Landrat des neugebildeten Thüringischen Landkreises Altenburg
Die Absetzung
1930 setzte der thüringische Innenminister Wilhelm Frick — der erste nationalsozialistische Minister in Deutschland — Emil Böhme als Landrat ab. Gegen die Umstände dieser Absetzung hatten zuvor alle Parteien des Altenburger Kreistages protestiert.
Emil Böhme starb wenige Monate später, am 8. Juli 1930 in Altenburg, an einem Schlaganfall. Die Presse jener Tage sah in ihm das erste Opfer des nationalsozialistischen Terrors.
Erinnerung
An seiner Beerdigung nahmen über 1500 Menschen teil. Auf dem Altenburger Friedhof wurde ein Gedenkstein aufgestellt. Seine Inschrift verschwand später — sie wurde erst nach 1989 von Böhmes Tochter wieder angebracht.
Sein Weg steht für das, was der Preis auszeichnen will: Beharrlichkeit im kommunalen Alltag und Haltung, wenn es darauf ankommt.